Erstes Halbjahr 2003

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Samstag, 22. März 2003, 20:30h, Circolo Hagberg, 4600 Olten
ORGAN-X

Chris Wiesendanger org, Roberto Bossard g, Elmar Frey d

Lange ist es her seit dem letzten gemütlichen Konzert im Circolo Hagberg. Damals stimmte die wunderbare Zürcher Sängerin Mya N auf den Herbst ein. Nun spriesst bereits der Frühling und mit der Formation Organ-X wird dieses stürmische Treiben der Natur sicher musikalisch untermauert. Der Name ist Programm: Das Englische „Organ“ kann ja zu Deutsch mehrere Bedeutungen haben: Organ, organisch, Orgel usw. Alles trifft auf dieses einmalige Trio gleichermassen zu. Angeführt wird es vom Zürcher Pianisten – und in diesem Fall begnadeten Hammond-Organisten – Chris Wiesendanger. Er selbst ist ein grosser Komponist, der auch das klassische Repertoire kennt und in seine wunderschönen Balladen auch gerne Elemente der Romantik einfliessen lässt. Für eine gleichsam klassische Besetzung sorgt Roberto Bossard an der halbakustischen Jazzgitarre. Er ist – wie Drummer Elmar Frey – in Olten kein Unbekannter, waren doch beide damals im Herbst 1998 mit der Gruppe von Mark Soskin im Circolo zu Gast. Bossard ist ein feuriger Gitarrist, der gerne mal in der Manier von Wes Montgomery agiert, während Elmar Frey einer der swingendsten Drummer der Schweiz ist und bleibt. Die Hammondorgel erlebt gerade momentan ein Revival nicht zuletzt angeregt von den durch DJs gesamplten Verschnittstücken, aber auch durch massgebende neuere Platten von illustren Namen wie Joshua Redman, Yaya3 oder dem sagenhaften Franzosen Emmanuel Bex. Trend und Retro zugleich: Jimmy Smith und Wes klingen auch heute noch erstaunlich frisch.









Samstag, 3. Mai 2003, 20.30h Vario Bar, Solothurnerstrasse 22, Olten
LES VAUTOURS

Julien Feltin g, Patrice Moret b, Marc Ebretta dr

Tickt die Romandie bezüglich dem Jazz anders? Eine derartige Untersuchung steht nach wie vor aus, auch wenn sie sich lohnen würde. Empirisch konnten wir bei den Konzerten mit dem phänomenalen Akkordeonisten Michel Besson, der unlängst völlig unerwartet verstorben ist oder beim witzigen Kontrabassisten Popol Lavanchy mit seiner Band Quintette Popolien von der Richtigkeit der eingangs gestellten hypothetischen Frage überzeugen. Wieso dem erfreulicherweise so ist, wäre noch zu eruieren.
Mit Les Vautours ist eine weitere Gruppe aus drei jungen frechen Jazzmusikern aus der Westschweiz bei uns zu Gast. Anders als viele ihrer Artgenossen in der Deutschschweiz, versuchen sie nicht die 1001-te, ultimative Version von „Autumn Leaves“ zu spielen, sondern gehen ganz eigene Wege. Ob sie den Jazz ausbeuten wollen? Ihr Bandname kann mit Geier, habgieriger Mensch oder Wucherer übersetzt werden. In der Tat pflegen sie einen spannenden Umgang mit der reichen Jazztradition. Von der Instrumentierung her treten sie beinahe klassisch auf: Kontrabass usw. Der vordergründige Eindruck jedoch vermag zu täuschen, denn was Gitarrist Julien Feltin aus der Klampfe holt, ist atemberaubend – und die Effekte werden alles andere als sparsam eingesetzt. Die eigene Musik des Trios lebt von der Spontaneität, ausgedehnten wohl aufgebauten Soli, wobei die Drums durchaus in einem modernen Modus agieren. Der eigenwillige Jazz der Vautours setzt bewusst auch auf tanzbare Beats und einfache Songstrukturen. Das gemeinsame Erarbeiten der jeweiligen musikalischen Climax ist wichtiger als exzessive Einzelsoli. Eine Band, welcher eine grosse Zukunft bevorstehen kann, welche bestens in die stimmige Vario Bar passt und die man demnach einfach gesehen sowie gehört haben muss.
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