Zweites Halbjahr 2003

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Samstag, 20. September 2003, 20:30h, Vario Bar, 4600 Olten
PHIL STÖCKLI QUINTET

Phil Stöckli as/ts, Oliver Keller g, Chris Wiesendanger p, Patrice Moret b, Elmar Frey dr

Der Rückkehrer
Wenn einem der Name Phil Stöckli wenig geläufig ist, so hat dies damit zu tun, dass der 1973 in Basel geborene Saxofonist seit zehn Jahren in den USA lebt. Am renommierten Berklee College of Music in Boston schloss Stöckli sein Studium mit der höchsten Auszeichnung ab und gründete wenig später sein eigenes Sextett. Nach ausgedehnten Tourneen und einer ersten CD als Bandleader, liess sich Stöckli 1999 in New York nieder, wo er bald Anschluss an die lebendige Szene fand. Diesen Herbst wird Stöckli definitiv in die Schweiz zurückkehren. Mit vielversprechendenen Jung-Talenten wie Jeff Ballard, Matt Penman, Mike Moreno und Pete Rende nahm Stöckli seine zweite Platte „Third Eye“ auf, welche eben auf dem Label „Fresh Sound New Talent“ (freshsoundrecords.com) erschienen ist. Das Konzept von "Third Eye" basiert auf der Idee des Auges des Unbewussten, der Vorstellungskraft und der Fantasie. Stöckli's Musik ist tief verwurzelt in der Jazz Tradition. Die Kompositionen bewegen sich stilistisch in Gewässern wie die seiner amerikanischen Zeitgenossen Kurt Rosenwinkel oder Chris Potter, angereichert mit brasilianischen Einflüssen. In Olten wird Stöckli seine neue CD mit einer Band aus illustren Schweizer Jazzmusikern vorstellen. Wiesendanger, Frey und Moret sind alle bestens bekannt und Oliver Keller zählt zu den spannendsten jungen Gitarristen im Land.

Samstag, 25. Oktober 2003, 20:30h, Circolo Hagberg, 4600 Olten
JAZZIMPULS

Laura Cesar b, Beat Baumli g, Peter Hanel ts/fl, Alberto Canonico dr

Kanadierin am Bass
Die seit 1996 in der Schweiz lebende kanadische Bassistin Laura Cesar ist in Olten keine Unbekannte. Sie zupfte in Umberto Arlatis Rehearshal Big Band den Kontrabass. Ihr eigenes Quartett nennt sie Jazzimpuls und will mit einem spannenden Konzept der hiesigen Szene neue Impulse verleihen. Das besondere an ihrem Projekt ist, dass sie damit die Rolle der Frauen im Jazz beleuchtet. Frauen sind Randerscheinungen im Jazz und haben dennoch ebenso erstaunliche wie unverzichtbare Beiträge geleistet. Mit ihrer Band nimmt sich Cesar den „Frauengeschichten“ im Jazz an. Interpretiert werden ausschliesslich Kompositionen von Frauen, begonnen bei Lil Armstrong über Ruth Lowe – die Frank Sinatras Hit „I’ll never smile again“ schrieb – bis zu Carla Bley und Cesar selbst. Das Besondere an Jazzimpuls ist, dass nicht nur diese Tunes interpretiert werden, sondern auch die dazugehörigen Geschichten erzählt werden. Mit von Partie sind zwei Originale der Schweizer Jazzszene, der unvergessliche Tenorsaxofonist und Flötist Peter Hanel sowie der in Argentinien geborene Drummer Alberto Canonico. Zu entdecken hingegen gilt es Beat Baumli, der in Olten schon lange nicht mehr zu Gast war. Er spielt die Gitarre in der grossen Tradition eines Wes Montgomery.







Samstag, 29. November 2003, 20:30h, Vario Bar, 4600 Olten
ELIANE

Eliane Amherd voc/g, Jennifer Vincent (USA) b, Ze Mauricio (BRA) perc

Walliserin aus New York
Schön, dass den im Jazz raren Frauen in diesem Halbjahr ein grosser Stellenwert zukommt. Eliane Amherd wuchs in Brig auf und lebt seit 1998 in New York, wo sie regelmässig und mit viel Erfolg auftritt. Die Sängerin und Gitarristin ist stark von der brasilianischen Musik und den südamerikanischen Rhythmen angetan, auch wenn ihr Hintergrund ein jazziger bleibt. Ihre sanfte aber kräftige Stimme hält einem sofort im Bann und auch Richie Beirach oder Randy Brecker schwärmen von der jungen Musikerin. In ihrem Trio wirkt Perkussionist Ze Mauricio aus Rio de Janeiro mit, der ein Mitglied des legendären Perkussion-Ensemble von Cyro Baptista war und spielte unter anderem mit Wynton Marsalis und Paquito de Rivera. Ebenfalls aus New York kommt die Kontrabassitin Jennifer Vincent. Auch sie war in den letzten zehn Jahren sehr aktiv in der Jazz und Latin-Szene des Big Apple. Ihre Lehrer waren keine geringeren als Buster Williams, Cachaito (Buena Vista Social Club) und Ron Carter. Sie selbst spielte mit Betty Carter, Regina Carter, Carmen Lundy, Kenny Garret und Abbey Lincoln (CD „Over the Years“). Die feinen, intim-erotisierenden südamerikanisch angehauchten Klänge dieses Trios bieten die beste Möglichkeit, dem nebligen Novemberalltag zu entfliehen.









Samstag, 13. Dezember 2003, 20:30h, Circolo Hagberg, 4600 Olten
RETO SUHNER QUARTET

Reto Suhner as/ss/bcl, Lester Menezes p, Fabian Gisler b, Dominik Burkhalter dr

Born in Herisau
Herisau – das klingt nicht gerade jazzig – und dennoch: selbstbewusst nannte Reto Suhner seine erste CD „Born in Herisau“. Und sie schlug ein wie ein Meteorit. Seit dann spricht alles von Reto Suhner. Er gehört zweifelsohne zu den interessantesten jungen Saxofonisten hierzulande. Gerade im Juni stand er mit seinem Quartett im Final des Wettbewerbs um den ZKB Jazzpreis. Bei uns in Olten war er im September 2000 bereits einmal mit Manfred Junker zu Gast. Nun kommt der 30-jährige Appenzeller, der auch die selten gespielten Instrumente wie das Sopranosaxofon und die Bassklarinette souverän beherrscht, mit seinem eigenen Quartett nach Olten. Dieses versteht sich als komponierende Band, welche leicht, spielerisch und flüssig eigene Motive, Songs und arrangierte Standards spielt. Die erfahrenen Musiker ergänzen sich und lassen sich stimmungsvoll auf musikalische Abenteuer ein. Seine gleichjungen Mitmusiker sind keine Unbekannten. Insbesondere zu erwähnen gilt es den in Indien geborenen Pianisten Lester Menez – ein Ausnahmetalent.
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